Was ist Dir ein Ökosystem wert?

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Diese Frage zog sich wie ein roter Faden durch einen Workshop, an dem ich neulich teilnahm. Thema des Workshops, der innerhalb des EU Projektes Rubicode stattfand, waren der Nutzen von Ökosystemen für den Menschen, sowie deren Gefährdung durch den Einfluss unserer Lebensweise. Im Rahmen des ‘Millennium Ecosystem Assessment‘ der UNO wurde vor fünf Jahren zum ersten Mal im großen Stil versucht aufzuzeigen, wie wichtig Ökosysteme und deren Dienstleistungen für den Menschen sind – für ihr Leben im Sinne von Überleben aber auch von Lebensqualität.

Sie liefern Nahrung, Brennstoffe, Basis für Medikamente, sie regeln Kreisläufe (Wasser, Stickstoff) und sie prägen sehr oft die kulturelle Identität einer Region, um nur einige Beispiele zu nennen. Durch unsere Lebensstile geraten Ökosysteme immer mehr unter Druck und damit auch ihre Möglichkeit die Dienstleistungen für uns weiterhin bereit zu stellen. WissenschafterInnen und EntscheidungsträgerInnen pochen daher darauf, endlich den wahren Wert der Ökosysteme zu erforschen und bekannt zu machen, um zu zeigen, dass sich deren Erhalt auf alle Fälle rechnet. So soll in diesem Jahr noch ein Bericht erscheinen, der aufzeigt, dass es billiger ist Ökosysteme zu erhalten als diese (für immer) zu verlieren. Ein hehres Ziel! Aber was ist der wahre Wert unserer Ökosysteme und ihrer Funktionen? Kann eine Zahl gemessen in € oder $ dies widerspiegeln?

“JA” würde die Antwort (noch immer) vieler WissenschafterInnen und ExpertInnen lauten. So auch die Meinung der meisten beim Workshop anwesenden. Diese Einstellung wurde durch Vorträge untermalt mit Tabellen voller $ Werte bezogen auf Ökosystemfunktionen verstärkt. Ein Beispiel, das mir besonders in Erinnerung blieb: die Funktion: Ästhetik eines Waldes ist 423$ pro Jahr und Hektar wert. Dies wurde in Interviews herausgefunden, in denen man NutzerInnen des Waldes fragte, wie viel sie bereit wären für die Erhaltung der Schönheit eines Waldes zu zahlen.

Aber wie kann ich wissen, wieviel mir diese Schönheit wirklich wert ist? Was sagt mir diese Zahl denn? Was kann ich damit tun? Diese Fragen könnten Reaktionen von Laien oder auch kritischen ExpertInnen auf die Zahl sein.

Liebe/r Leser/in, schließe mal kurz Deine Augen und lass Deinen inneren Blick über eine Landschaft Deiner Wahl schweifen: eine Alm, ein Seeufer, eine Blumenwiese…. Wieviel ist Dir dieser Blick wert oder die Erhaltung dieser einen kleinen Wiesenblume? Kannst Du es überhaupt wissen, in Geld ausgedrückt?

2 Comments to Was ist Dir ein Ökosystem wert?

  1. Friday March 21st, 2008 at 12:58 PM | Permalink

    liebe ines,
    niemals könnte ich den baum vor meinem fenster, den wald, in dem ich bärlauch sammle oder die gute luft und die tolle aussicht am schneeberg auch nur annähernd in monetäre einheiten verpacken… der gedanke erscheint mir geradezu absurd.
    traurig ist, dass es nicht ausreicht, dass natur per se – einfach dadurch, dass sie natur IST – unbezahlbar und daher ohne mit der wimper zu zucken schützenswert wird.
    in der argumentation um den nötigen schutz und erhalt von ökosystemen scheint jedoch im moment kein weg an absoluten zahlen vorbei zu führen – “schönheit” an sich ist ja kein verkaufsargument; das, was ich kaufe oder schütze, muss schon was (im engeren sinne geld) wert sein!

    es muss doch auch anders gehen!?

  2. Friday March 21st, 2008 at 04:36 PM | Permalink

    liebe steffi,
    ich glaube auch nicht, dass die lösung darin besteht, den politikerInnen eine zahl vorzulegen, die “beweist”, dass der nutzen, der aus dem schutz eines ökosystems hervorgeht größer ist als der wert, den wir durch den nicht-schutz verlieren würden. entscheidungsträgerInnen brauchen informationen und wissen. wenn wir expertInnen sie in unsere forschungsprozesse einbinden und gemeinsam erarbeiten, was das ökosystem, um das es geht, wirklich für uns, unsere familien und die nächsten generationen bedeutet, wenn wir gemeinsam die vor- und nachteile von verschiedenen szenarien diskutieren und sie transparent machen, dann können sie sehr wohl fundierte entscheidungen treffen, auch ohne eine zahl, die am ende des prozesses rauskommt (ein Versuch dazu findet derzeit im Projekt Ecochange statt).

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