Es ist nun auch schon wieder 49 Tage (oder 1176 Stunden) her, als ich in der PRESSE die Kolumne von Christoph Chorherr mit dem Titel “Zeit für Sinnvolles” las. Da ich schon lange vorhabe, als Gastautorin einen Blogbeitrag zum Thema “Zeit für unbezahlte Arbeit” zu verfassen, schnitt ich diesen Artikel aus und hob ihn sorgfältig auf. Da die Zeit ja so knapp ist, hat es nun doch etwas gedauert, bis ich den Chorherr-Artikel wieder und die paar Minuten Zeit fand, um meinen Beitrag zu verfassen…
Chorherr wies in seinem Artikel darauf hin, dass ein schlauer Kopf errechnet habe, wie viel freiwillige Arbeit das Wikipedia geschaffen hat. Das Ergebnis: 100 Mio. Stunden. Während Chorherr diese Zahl der Zeit gegenüberstellte, die die ÖsterreicherInnen jährlich vor dem Fernsehapparat verbringen (50 Mrd. Stunden) und aus diesem Vergleich schloss, dass das Potential an “freier Zeit” erst ansatzweise genutzt ist, möchte ich auf den großen Nutzen hinweisen, der unserer Gesellschaft aus solchen und ähnlichen oder ganz anderen freiwilligen (d.h. unbezahlten) Aktivitäten entsteht. Die Leistung, die diesem Nutzen zugrunde liegt, ist deshalb so beachtlich, da sie ohne eine Gegenleistung in Form von Geld generiert wird.
Da Wikipedia kein kommerzielles Unternehmen ist, hat es ökonomisch betrachtet auch keinen (Geld-)Wert. Sein Nutzen steht aber außer Frage, denn täglich nehmen Tausende von Menschen seine Dienste in Anspruch. Ähnlich verhält es sich auch mit den Leistungen, die beispielsweise Hausfrauen oder ehrenamtlich Tätige täglich erbringen. Nur werden ihre Leistungen zumeist nicht in der gleichen Weise anerkannt, wie jene von Wikipedia. Eine Anerkennung und Aufwertung dieser informellen Arbeiten, die von Hausarbeit über Kindererziehung, Alten- und Krankenpflege bis hin zur ehrenamtlichen Arbeit in Vereinen oder Selbsthilfegruppen reicht, ist daher besonders wichtig (siehe dazu den Beitrag Der leichte Schnupfen, den man Arbeit nennt).
Klar ist jedenfalls, dass solche Arbeitsformen viel Zeit benötigen, die in unserer schnelllebigen, hektischen Gesellschaft nicht immer zu Verfügung steht. Die Zeit wird immer stärker zum Luxusgut, das man sich auch mit viel Geld nicht kaufen kann. Daher gehen auch immer mehr Menschen dazu über, ihre Lebensqualität nicht nur über Güter, sondern auch über Zeitwohlstand zu definieren. Die freie Verfügung über Zeit für Privat-, Arbeits- und Gesellschaftsleben gewinnt damit an Priorität. Zeitwohlstand ist allerdings nicht für alle Menschen in unserer Gesellschaft ein in gleichem Maße anzustrebendes Ziel. So wird zusätzliche Zeit von Arbeitslosen oder nur prekär Beschäftigten anders wahrgenommen, als von überarbeiteten Personen. Für sie ist eine geregelte Erwerbsarbeit in den meisten Fällen erstrebenswerter als zusätzliche freie Stunden.
In der Wissenschaft werden daher unterschiedliche Ansätze diskutiert, die die Arbeit besser unter allen Arbeitswilligen verteilen und gleichzeitig den Menschen wieder zu mehr Zeit verhelfen sollen. Die Arbeitszeitverkürzung hat dabei einen großen Stellenwert. Sie bietet nicht nur die Möglichkeit, zusätzliche Personen (natürlich auch Frauen) in den Arbeitsmarkt zu integrieren, sondern auch informellen und unbezahlten Arbeiten mehr Zeit einzuräumen. Da der Mensch auch Zeit zur Erholung braucht, können Erwerbstätige, die sehr viele Stunden mit bezahlter Erwerbsarbeit verbringen, nur mehr in geringem Maße informelle Arbeiten erbringen oder Zeit für ihre Familie und Freunde frei machen. Eine Verkürzung der Erwerbsarbeitszeiten könnte daher neben positiven Wirkungen auf die Arbeitsproduktivität auch die Eigen-, Gemeinschafts- und Versorgungsarbeit erhöhen. Dadurch können nicht nur Beruf und Familie besser vereinbart, sondern auch Überbeanspruchung und arbeitsbedingte Erkrankungen vermindert werden.
Das klingt ja alles sehr schön und vielversprechend. Aber: haben wir auch genug Geld, um uns mehr unbezahlte Arbeit und mehr Freizeit leisten zu können?
Eine Arbeitszeitverkürzung im oben angesprochenen Sinn würde nicht mit höheren Löhnen einhergehen, d.h. wir würden auch weniger verdienen, wenn wir weniger arbeiten. Mit einem geringeren Einkommen können wir uns aber nur weniger Güter und Dienstleistungen leisten. Aber sind wir uns ehrlich: sind alle Sachen, die wir uns kaufen, wirklich notwendig, oder würden wir nicht auch mit etwas weniger Geld auskommen? Auf jeden Fall müsste zur Umsetzung einer nachhaltigeren Zeitverwendung unser gängiges Prestigedenken, das den Besitz eines Hauses, mehrerer Autos – größer als jene der Nachbarn versteht sich – und anderer materieller Güter über alles stellt, gehörig umgekrempelt werden.
Nun sagt uns aber nicht nur der Volksmund, dass Zeit Geld ist. Was mich abschließend zur Frage bringt, ob unbezahlte Arbeitsformen einen Marktwert bekommen sollten. Die Antwort auf diese Frage hängt von der Art der freiwilligen Arbeit ab: Werden die Dienste der unzähligen freiwilligen HelferInnen – wie es bei der derzeit laufenden Fußballeuropameisterschaft der Fall ist – zwar nicht entlohnt, erhöhen aber den Gewinn einer kommerziellen Veranstaltung (in diesem Fall der EURO2008 und ihrer “Sponsoren”), ist die Frage klar mit JA zu beantworten. In solchen Fällen ist es auch nicht besonders schwierig, der Leistung einen Geldwert zuzuordnen und sie in den Markt zu integrieren.
In vielen anderen Fällen, z.B. bei der Kindererziehung, der Pflege von Familienangehörigen etc. geht es aber in erster Linie darum, ZEIT zu finden. In solchen Fällen kann zwar die Leistung an sich in den Markt integriert werden, daraus ergebe sich aber nicht unmittelbar die Möglichkeit, Zeit für sich selbst, die Familie oder Freunde zu schaffen. Es geht letztendlich darum, ein ausgewogenes Verhältnis zwischen professionellen Diensten (z.B. im Pflegebereich) und eigenem Engagement zu erreichen. Denn Zeit mit ihren Eltern zu verbringen, ist Kindern in den meisten Fällen mehr Wert, als ein (oft nicht einmal selbst ausgesuchtes) materielles Geschenk, das aus dem schlechten Gewissen heraus besorgt wird, nicht genügend Zeit gemeinsam verbringen zu können.
Die Volksweisheit “Zeit ist Geld” muss daher zumindest um das Wort “auch” ergänzt werden. Denn die Zeit ist ein knappes Gut, das in vielen Fällen nicht angemessen durch Geld ausgedrückt werden kann.


Fortschritt bedeutet für mich weniger Lebensarbeitszeit und mehr Einkommen. Holland ist da gut vorausgegangen mit der 32 Stundenwoche, die haben jetzt Vollbeschäftigung und volle Kassen.
Soziales Engagement ist erst dann wirklich möglich, wenn das Einkommen geregelt ist.
Ich habe vor kurzem das Arbeitsmarktservice kennen gelernt. Ich bin zwar im Urlaub, eigentlich verbrauche ich meinen Resturlaub, aber ich wollte die Sache vorsehen. Wahrendessen zahle ich mir die Kosten für meine Weiterbildung selbst: Zeit. Ich bin Student in Österreich, deshalb bin ich auf „es geht um was“ gelandet. Internet führt uns überall hin aber trotzdem bleiben wir zu Hause. Das ist sehr praktisch, wir sparen Zeit, wir verbrauchen nur die notwendige Energie und wir können auch produktiv sein! Zum Beispiel ich, ein Student aus dem Ausland, der weder die Sprache noch die Kultur seines neuen Lands beherrscht. Das leben führt uns auch manchmal irgendwo hin, wo die Bildung notwendig wäre! Ich kann eine Alltagskommunikation führen, solange es Kaffeepausen gibt! Aber weil ich beweisen muss, dass ich arbeitswillig bin ( 20 St. Oder 16 St. für Väter/Mütter), muss ich genau diese Pausenzeit nehmen, um das AMS in der Dresdenstraße (mit Raucherzimmer) zu besuchen. Dann nehme ich mir Zeit und bewege mich, es ist zu kalt um mit dem Rad zu fahren, deshalb nehme ich einen Bus, eine U-Bahn und einen Zug. Ich muss zugeben, es war warm genug bei den Wiener Linien. Alles was ich sagen wollte:„mir geht es gut, ich würde mir lieber diese Zeit für Recherchen nehmen, um meine Produktivität zu steigern. Ich bilde mich auf eine nachhaltige Art, in der es wirklich notwendig wäre, dass die Lebensqualität und die Zeit besser verbunden würden.“
Heute habe ich Zeit einen Beitrag hier zulassen und ein bisschen die deutsche Sprache zu üben.
Ein Schritt in meiner freiwilligen nachhaltigen Arbeit, die mir Zeit sparen könnte …. mein Lebensmotiv.
Was wäre Geld ohne Zeit?