Im Dunst

Pixelio / wrw

In Deutschland werden Atomkraftwerke jetzt mit Nebelwerfern ausgestattet*. So will man die Meiler verstecken, um sie vor Terrorangriffen aus der Luft zu schützen. Die Vernebelungsaktion könnte aber auch die ganz normalen Sicherheitsrisiken der nuklearen Energieversorgung verdecken.

Ich stelle mir das richtig romantisch vor. Man sitzt am Wochenende im Garten, genießt gerade seinen Frühstückskaffee und liest dazu Zeitung. Vögel zwitschern, alles knospt und sprießt, der Frühling liegt in der Luft. Doch dann wird der Duft der ersten Blumen und des frischen Grases verdrängt. Es riecht nach Streichhölzern. Vielleicht auch nach Kurbad. Leicht schwefelig halt. Zudem breitet sich ein feiner rötlicher Schleier über Zeitung und Milchschaum des Kaffees. Und das alles nur deshalb, weil ein verirrtes Flugzeug dem benachbarten AKW zu nahe gekommen ist und die Nebelwerfer des Reaktors diesen in roten Phosphorrauch gehüllt haben.

Im September 2007 wurde das niedersächsische Kernkraftwerk Grohnde mit einer solchen Nebelanlage ausgestattet. Die anderen 16 deutschen Reaktoren sollen folgen.

Leben neben einem AKW klingt natürlich prinzipiell schon unromantisch. Die Sache mit dem Phosphor wäre dann auch nur ein weiterer Grund, ohnehin nicht in der Nähe eines Atomkraftwerks zu wohnen. Und es ist ein Grund mehr, der Kernkraft ihre Nachhaltigkeit abzusprechen – wenn wir jetzt mal davon ausgehen, dass sie ihr manche Leute aufgrund des (vermeintlichen) Klimaschutzes derzeit zusprechen.

Zudem scheint die Frage der Sicherheit der Reaktoren dadurch auf mögliche Terroranschläge reduziert. Nach dem Motto: Wir haben eh schon den ganzen Betrieb sicher im Griff, der Müll wird sauber entsorgt und jetzt kriegen wir das mit der Al-Kaida auch noch hin. Schön, wenn’s so einfach wäre.

* Süddeutsche Zeitung vom 13. März 2008

Foto: Pixelio / wrw

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