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Warum ist Sustainability für China wichtig? Und warum ist Sustainability in China für uns wichtig? Mit 9,6 Millionen km² ist die VR China nicht nur das viertgrösste Land der Welt, sondern auch das grösste Entwicklungsland, das mit einer Bevölkerungszahl von über 1,2 Milliarden ein Fünftel der gesamten Weltbevölkerung stellt. Angesichts dieser Grössendimensionen ist es offensichtlich, dass Wirtschaftswachstum, -entwicklung sowie -politik dieses Raumes erhebliche Auswirkungen auf das restliche Ökosystem haben können. Daher hat SERI diese Region als neues Forschungsthema aufgenommen. Seit Ende der 70er Jahre, ist die VR China langsam "aus dem Plan gewachsen" - marktwirtschaftliche Mechanismen wurden in kleineren Regionen zuerst experimentell getestet und bei Erfolg landesweit eingeführt. Da Erfolg in erster Linie über Wirtschaftswachstum definiert und insbesondere über Ausweitung sowie Intensivierung des Handels realisiert wurde, konnte ein rasches BIP-Wachstum sowie eine - allerdings rein monetär gemessene - Verbesserung des Lebensstandards erreicht werden. Obwohl die durchschnittliche jährliche Wachstumsrate des BIP in den 90er Jahren gigantische 10 Prozent betrug, lag das Pro-Kopf-Einkommen am Ende des Jahrtausends noch unter 1000 USD. Des weiteren führte die dem ökonomischen Transformationsprozess innewohnende Eigendynamik bislang zu starken regionalen Ungleichgewichten. Hinzu kommt, dass durch die Rationalisierungen im Agrarsektor, ebenso wie die Umstrukturierung und Schliessung der Staatsbetriebe, eine Unzahl von Arbeitskräften freigesetzt wurden. Die Statistiken gehen bis in die Höhe von geschätzten 100 Millionen Arbeitslose. Die Lage spitzt sich noch dadurch zu, dass bislang eben diese Staatsbetriebe für die komplette soziale Versorgung der Arbeitnehmer zuständig war. Angesichts dieses enormen sozialen Drucks wird die bisherige auf Wachstum zielende Wirtschaftspolitik verständlich. Doch was sind der Preis beziehungsweise dessen Konsequenzen? Nur rund ein Drittel der Industrieabwässer werden bislang - meist mit veralteten, unzureichenden Anlagen - geklärt. Der Rest wird direkt in Flüsse geleitet, was zu einer hohen Verschmutzung der Gewässer sowie der Verschärfung des Mangels an gesundheitlich unbedenklichem Trinkwasser führt. Mit einer jährlichen Zuwachsrate des Energieverbrauchs von 5 Prozent verbucht die VR China schon Platz 20 in der Weltrangliste. Da die Schadstoffe in der Regel ohne Filteranlagen emittiert werden, ist es kein Zufall, dass die Erkrankung der Atemwege die häufigste Todesursache ist. Noch kommen pro Tausend Einwohner erst 4 Autos, aber die Zahl der Autos wächst schon wesentlich schneller als das Pro-Kopf-Einkommen. Noch beläuft sich der ökologische Fußabdruck pro Einwohner erst auf 1,2 Hektar, aber der Konsum ist gemäss dem rapiden BIP Wachstum kontinuierlich am steigen. Wie gross ist der ökologische Rucksack bei der stark exportorientierten Wirtschafts,- und Wachstumspolitik? Wie würde sich also die Beibehaltung der derzeitigen Industriepolitik auswirken? Diese Frage stellt sich nicht nur für die VR China selbst, sie stellt sich vielmehr auch für uns. Welche Auswirkungen würde dies beispielsweise auf den Klimawandel haben? Bereits jetzt beläuft sich der chinesische Anteil an den weltweiten CO2 Emissionen - bedingt durch die hohe Bevölkerungszahl - auf ungefähr 10 Prozent. Für uns können also durch die chinesische Wirtschaftspolitik un/mittelbare Folgen gegeben sein. Rasant wachsende Städte, Erosion und industriell verseuchte Böden lassen die Agrarfläche jährlich schrumpfen. Da die vorhandene landwirtschaftlich nutzbare Fläche ohnedies schon in einem drastischen Missverhältnis zur Population stehen - von einem Siebtel des weltweiten Agrarlandes muss ein Fünftel der Weltbevölkerung, das per anno noch um weitere 1,3 Prozent wächst, versorgt werden - klafft die Schere immer weiter auf. Eines der in der Tat gravierendsten sozial-ökonomischen Probleme, das Bevölkerungswachstum, hat man in den Griff bekommen. Allerdings wurde die Lösung allein durch die Beschneidung der Menschenrechte der weiblichen Hälfte der Bevölkerung mit drakonischen Massnahmen durchgesetzt. Die wirtschaftspolitische und soziale Situation der VR China ist also durch eine Vielzahl von Dichotomien und Dualismen geprägt. Schon allein aufgrund spezifischer Charakteristika des Landes - wie Grösse, Population und dergleichen - erscheint es besonders bedenklich, wenn die VR China den gleichen Weg einschlagen würde wie so manch andere von sozialen Nöten und ökonomischen Zwängen eingekesselte Entwicklungs- und/oder Transformationsökonomien. Es bedarf daher der Erkenntnis, dass die gegenwärtige Lage nicht sustainable ist. Und darauf aufbauend muss herausgefunden werden, was die Rahmenbedingungen und Vorraussetzungen für ökologische sowie soziale Sustainability in China sind, und mittels welcher Massnahmen diese dann implementiert werden können. |
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last update 06-Jan-2002 |